Voller Fokus auf Lillehammer

Innsbruck,
Mit einem gezielten Trainingskonzept, zusätzlichen Einheiten auf der WM-Bahn und einer engen Betreuung der Topathlet:innen will der Verband die Voraussetzungen schaffen, um im Februar 2027 bei den Titelkämpfen in Norwegen um Spitzenplätze mitzufahren.
Im Mittelpunkt stehen dabei die vier größten österreichischen Medaillenhoffnungen: Skeleton-Olympiasiegerin Janine Flock, Skeleton-Ass Samuel Maier sowie die Bob-Topteams rund um Pilot Markus Treichl und Pilotin Katrin Beierl. Für dieses Quartett plus Anschub-Teams beginnt die WM-Vorbereitung bereits Mitte Oktober mit einem mehrtägigen Trainingsblock in Lillehammer. Sieben bis acht Tage sollen die Athlet:innen auf der Olympiabahn verbringen, um möglichst viele Fahrten zu absolvieren und sich frühzeitig auf die anspruchsvolle Strecke einzustellen. Im Anschluss folgen intensive Materialtests sowie weitere Trainingseinheiten in Igls, Königssee und Altenberg.
„Heuer richten wir unsere Vorbereitung ganz gezielt auf Lillehammer aus. Unser Ziel ist es, dass unsere vier Topteams auf der WM-Bahn so viele hochwertige Fahrten wie möglich sammeln und mit der bestmöglichen Vorbereitung in die Weltmeisterschaften gehen. So umfangreich konnten wir uns auf eine WM schon lange nicht mehr vorbereiten“, sagt ÖBSV-Generalsekretär Manfred Maier.
Die intensive Vorbereitung ist Teil einer langfristigen Strategie. Nicht nur die erfahrenen Athlet:innen profitieren von zusätzlichen Eistagen – auch der Nachwuchs soll künftig häufiger auf internationalen Bahnen trainieren und so früh wichtige Erfahrungen sammeln.
Heim-Doppelweltcup auf modernisierter Bahn
Noch bevor der Fokus endgültig auf die WM gerichtet wird, wartet mit dem Doppel-Heimweltcup in Innsbruck eines der Saisonhighlights. Gleich zwei Weltcupwochen in Folge gastiert die internationale Bob- und Skeleton-Elite Anfang Dezember auf der Olympiabobbahn Igls – und das auf einer Strecke, die sich nach umfangreichen Umbauarbeiten in entscheidenden Bereichen verändert präsentiert.
Im unteren Streckenabschnitt wird der bisherige Holzaufbau durch eine dauerhaft betonierte Lösung ersetzt. Dafür wurde der bestehende Bahnkörper freigelegt, die Kühlrohre angepasst und der Kurvenbereich neu ausbetoniert. Die neue Linienführung sorgt für einen flüssigeren Fahrverlauf, wodurch die hohen Geschwindigkeiten aus den vorangegangenen Kurven besser mitgenommen werden können. Gleichzeitig profitieren Bob-, Skeleton- und Rodelsport von einer harmonischeren Passage, die mehr Dynamik zulässt und den Zielbereich sportlich noch anspruchsvoller macht. Gerade deshalb verspricht der Heim-Doppelweltcup besondere Spannung. Erstmals wird sich zeigen, welche Auswirkungen die neue Streckenführung auf die Fahrzeiten und das Rennbild hat.
Traditionsbahn Königssee feiert Weltcup-Comeback
Ein weiterer Höhepunkt der Saison wartet im Jänner. Nach dem Wiederaufbau kehrt die traditionsreiche Kunsteisbahn am Königssee wieder in den Weltcupkalender zurück. Die erste Kunsteisbahn der Welt war im Sommer 2021 durch einen verheerenden Murgang schwer beschädigt worden und musste in den vergangenen Jahren umfassend saniert werden. Nun kehrt der internationale Bob- und Skeletonsport in den Eiskanal im Berchtesgadener Land zurück.
Für viele Athlet:innen wird die Bahn nahezu Neuland sein. Ein Großteil des aktuellen Starterfeldes hatte aufgrund der mehrjährigen Sperre noch nie Gelegenheit, dort Rennen zu bestreiten. Umso wichtiger ist für den ÖBSV die zusätzliche Trainingszeit vor Ort. Unterstützt wird das Team dabei von einem alten Bekannten: Franz Josef Hofmann kehrt als Stützpunktleiter an den Königssee zurück. Der Bayer, der lange Jahre für Österreich als Bobtrainer gearbeitet hatte und im Herbst 2025 offiziell verabschiedet worden war, betreut künftig Trainingslager, Weltcup, Europacup und Junioren-Weltmeisterschaften auf der bayerischen Bahn und bringt seine langjährige Erfahrung erneut in die Verbandsarbeit ein.
Neue Wege in der Athlet:innenbetreuung
Auch abseits des Eiskanals entwickelt der ÖBSV seine Strukturen weiter. Künftig verantwortet Sportwissenschaftler Walter Hable die Trainingsplanung für Bob und Skeleton. Dabei setzt der Verband bewusst auf individuelle Betreuung statt auf starre Vorgaben.
Ziel ist es, bestehende Individualtrainer:innen stärker in das ÖBSV-System einzubinden und deren Expertise mit den Verbandsstrukturen zu verknüpfen. So sollen Synergien entstehen, ohne den unterschiedlichen Bedürfnissen der Athlet:innen im Leistungsaufbau Grenzen zu setzen. Gerade im Hinblick auf die kommenden Großereignisse sieht der Verband darin einen wichtigen Baustein für nachhaltigen Erfolg.
Blick reicht bereits bis 2030
Neben den Weltmeisterschaften richtet der ÖBSV den Blick bereits auf die kommenden Jahre. Die Vorbereitungen auf die Youth Olympic Games 2028 mit den Bob- und Skeletonbewerben in Cortina laufen ebenso an wie die langfristige Planung für die Olympischen Winterspiele 2030 in den Französischen Alpen. Gefahren wird dort auf der traditionsreichen Bahn von La Plagne – jenem Eiskanal, auf dem Österreich 1992 mit Ingo Appelt, Gerhard Haidacher, Harald Winkler und Thomas Schroll Olympiagold im Viererbob gewann.
Auch personell werden wichtige Weichen gestellt. Skeleton-Athlet Alexander Schlintner bleibt dem Heeressportprogramm erhalten und kann seine Entwicklung unter professionellen Bedingungen fortsetzen. Gleichzeitig arbeitet der Verband intensiv daran, auch für Europacup-Gesamtsiegerin Julia Erlacher eine nachhaltige Förderlösung zu finden, nachdem ihr Antrag auf Aufnahme ins Heeressportprogramm nicht bewilligt wurde.
Bob- und Skeleton-Weltcupkalender 2026/27:#1 IBSF Weltcup Altenberg (GER, 22. bis 29. November 2026)
#2 IBSF Weltcup Innsbruck I (AUT, 29. November bis 6. Dezember 2026)
#3 IBSF Weltcup Innsbruck II (AUT, 6. bis 13. Dezember 2026)
#4 IBSF Weltcup Cortina d‘Ampezzo (ITA, 13. bis 20. Dezember 2026)
#5 IBSF Weltcup Königssee (GER, 10. bis 17. Jänner 2027)
#6 IBSF Weltcup St. Moritz (SUI, 17. bis 24. Jänner 2027)
#7 IBSF Weltcup und Europameisterschaft Winterberg (GER, 24. bis 31. Jänner 2027)
#8 IBSF Weltcup Sigulda (LAT, 31. Jänner bis 7. Februar 2027)
IBSF Weltmeisterschaften Olympiaparken Lillehammer (NOR, 15. bis 28. Februar 2027)

