Nach Olympia-Gold: ÖBSV stellt Weichen für die Zukunft
Innsbruck,
Nach einer erfolgreichen Saison 2025/26 mit dem Olympiasieg von Janine Flock bei den Olympischen Winterspielen in Mailand Cortina 2026 und zahlreichen Weltcup-Spitzenplätzen in beiden Disziplinen stellt der Österreichische Bob- und Skeletonverband (ÖBSV) die Weichen für die Zukunft. Mit dem klaren Fokus auf die Weltmeisterschaft 2027 in Lillehammer und den nächsten Olympiazyklus Richtung 2030 wurde am Samstag mit einem digitalen Kick-off der offizielle Startschuss für die neue Saison gesetzt.
ÖBSV-Präsident Gerhard Rainer sieht den Verband nach dem erfolgreichen Winter auf einem guten Weg: „Die vergangenen Monate waren intensiv, aber auch enorm erfolgreich. Der Olympiasieg von Janine Flock und die starken Weltcup-Ergebnisse haben uns als Verband zusätzliche Sichtbarkeit verschafft und einen echten Schub gegeben. Gleichzeitig haben wir diese Phase genutzt, um ein Fundament für die kommenden Jahre zu schaffen. Jetzt geht es darum, diesen Weg konsequent weiterzugehen, Strukturen zu schärfen und unsere Athlet:innen bestmöglich zu unterstützen.“
Mit dem Ende des Olympiazyklus stehen auch personelle Veränderungen an: Bob-Nationaltrainer Wolfgang Stampfer wird den Verband mit 1. Juni in Richtung Schweiz verlassen, dem ÖBSV aber weiterhin – insbesondere im Bereich Materialentwicklung und Schlittenbau – erhalten bleiben. Parallel dazu arbeitet der Verband intensiv an einer Neubesetzung sowie an einer Weiterentwicklung der Trainingsstrukturen.
Skeleton: Fokus auf Entwicklung, Heimvorteil und WM-Ziel Lillehammer
Im Skeleton richtet sich der Blick klar auf die Weltmeisterschaft 2027 in Lillehammer – gleichzeitig beginnt bereits die gezielte Arbeit am Projekt Olympische Winterspiele 2030 in den Französischen Alpen. Nach einer kurzen Regenerationsphase steigen alle Top-Athlet:innen wieder ins Training ein, der Fokus liegt dabei auf einer strukturierten und qualitativ hochwertigen Vorbereitung.
Nationaltrainer Michael Grünberger setzt dabei verstärkt auf zentrale Steuerung und engere Abstimmung im Trainerteam: „Wir wollen künftig noch stärker miteinander arbeiten und nicht nebeneinander. Unser Ziel ist es, eine klare Struktur zu schaffen, in der alle Athlet:innen bestmöglich betreut werden und von einem gemeinsamen System profitieren.“
Ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung wird eine intensive Trainingsphase in Innsbruck-Igls sein. Dort sollen im Herbst in rund drei Wochen bis zu 60 Trainingsfahrten absolviert werden – ein bewusster Schritt zurück zur Heimstärke: „Igls muss wieder unsere Bahn werden. Wir haben dort zuletzt zu wenig trainiert, das wollen wir jetzt gezielt aufholen. Die hohe Anzahl an Fahrten gibt uns die Möglichkeit, sowohl technisch als auch taktisch große Fortschritte zu machen“, so Grünberger.
Neben Trainingslagern auf Eis liegt ein weiterer Fokus auf der Weiterentwicklung der Athlet:innen im internationalen Vergleich. Die internen Qualifikationen für die Weltcup-Startplätze werden heuer ebenfalls in Igls ausgetragen, wobei bewusst auf Qualität und Leistungsdichte gesetzt wird.
Starke Basis und große Ziele im Team
Auch aus Athlet:innensicht wird der Neustart nach der Olympiasaison klar strukturiert angegangen. Samuel Maier hat sich nach intensiven Monaten bewusst Zeit genommen, um zu regenerieren und den Fokus neu auszurichten: „Die mehrwöchige Pause war wichtig, um den Kopf freizubekommen und die Saison zu verarbeiten. Jetzt spüre ich wieder die Motivation, ins strukturierte Training einzusteigen und den nächsten Olympiazyklus anzugehen.“
Der Blick ist dabei klar nach vorne gerichtet: „Ich habe mich bewusst dazu entschieden, den Weg Richtung 2030 weiterzugehen und alles darauf auszurichten, in vier Jahren das Maximum herauszuholen. Dafür braucht es jetzt die richtigen Entscheidungen – im Training, im Umfeld und beim Material.“
Die bevorstehende Saison sieht Maier vor allem als wichtige Aufbauphase: „Nach einem Olympiawinter geht es darum, Dinge weiterzuentwickeln und auch Neues auszuprobieren. Gleichzeitig haben wir mit der Weltmeisterschaft in Lillehammer ein klares Ziel vor Augen – eine Bahn, auf der ich mich sehr wohlfühle und auf der ich in der Vergangenheit nicht nur den EM-Titel gewinnen konnte, sondern auch viele weitere sehr gute Ergebnisse erzielen konnte.“
Bob: Umbruch als Chance – Fokus auf Entwicklung und neue Impulse
Mit dem Abgang von Nationaltrainer Wolfgang Stampfer in Richtung Schweiz beginnt für den ÖBSV im Bob eine neue Phase, die bewusst als Chance zur Weiterentwicklung genutzt werden soll. Im sportlichen Bereich richtet sich der Fokus klar auf die kommenden Großereignisse – allen voran die Weltmeisterschaft 2027 in Lillehammer. Parallel dazu wird intensiv an neuen Strukturen und einer klaren Ausrichtung für die kommenden Jahre gearbeitet. „Wir arbeiten bereits intensiv an einer Lösung und führen aktuell konstruktive Gespräche. Uns ist wichtig, keinen Schnellschuss zu tätigen – die Entscheidung muss gut durchdacht und nachhaltig sein, da sie für die kommenden vier Jahre von zentraler Bedeutung ist“, erklärt ÖBSV-Präsident Gerhard Rainer.
Für Österreichs Top-Pilot:innen bedeutet der Neustart vor allem eines: Flexibilität und Eigenverantwortung in einer Übergangsphase. „Nach der Saison habe ich bewusst ein bisschen Abstand genommen, um den Kopf frei zu bekommen. Jetzt geht es Schritt für Schritt wieder zurück ins Training“, sagt Markus Treichl. „Die letzte Saison war insgesamt sehr positiv, auch wenn die Olympischen Winterspiele natürlich nicht nach Wunsch verlaufen sind. Jetzt stehen wir vor einem Umbruch, und ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird. Das kann auch eine Chance sein, neue Impulse zu bekommen.“
„Wir gehen als Team geschlossen weiter und haben extrem viel Freude daran, gemeinsam zu arbeiten – vor allem, wenn man sieht, wie gut unsere Startzeiten in der letzten Saison waren. Wir waren in den vergangenen Jahren auch immer wieder knapp an den Medaillen dran, das zeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Ich bin überzeugt, dass da vielleicht doch noch etwas in der Luft liegt“, verrät der Tiroler und ergänzt: „Eigentlich hatte ich Cortina als persönlichen Abschluss im Kopf, aber so wie der Vierer-Bewerb gelaufen ist, kann man einfach nicht aufhören. Außerdem habe ich als Pilot eine große Verantwortung für mein Team. Weil alle so motiviert sind, nehmen wir die neue Saison gemeinsam mit viel Energie in Angriff.“
Auch im Damenbereich wird konsequent am nächsten Entwicklungsschritt gearbeitet. Katrin Beierl, mehrfache Olympiateilnehmerin, arbeitet nach einer Operation bereits wieder am Comeback und blickt positiv auf die kommenden Monate: „Ich kann mittlerweile wieder halbwegs trainieren. Nach den Olympischen Winterspielen habe ich mich planmäßig noch einmal am Fuß operieren lassen und bin mit dem gesamten Prozess sehr zufrieden. Die Pause habe ich genutzt, um mich intensiv auf meine Uni-Prüfung Anfang Mai vorzubereiten. Gleichzeitig laufen die Planungen für die neue Saison bereits auf Hochtouren – wir werden das Training gut abstimmen und gerade zu Beginn noch Rücksicht auf meinen Fuß nehmen.“
Auch abseits der Bahn übernimmt die Niederösterreicherin Verantwortung: Sie wurde kürzlich zur stellvertretenden Vorsitzenden der Athlet:innenkommission des Österreichischen Olympischen Comités gewählt. Den Vorsitz führt Judoka Magdalena Krssakova.