„Vertrauen ist das Fundament“
Innsbruck,
27. März 2026
Beim 8. Sportgipfel Tirol – St. Anton am Arlberg trafen führende Köpfe aus Sport, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien zusammen, um unter dem Motto „Zwischen Tradition und Zukunft – Der Sport im Aufbruch“ neue Perspektiven für den internationalen Sport zu beleuchten. Stargast war Skeleton-Olympiasiegerin Janine Flock, die Einblicke in ihren außergewöhnlichen Karriereweg gab. Neben Fragen zu technologischer Innovation, körperlicher und mentaler Leistungsfähigkeit im Sport, wirtschaftlicher Nachhaltigkeit sowie Umbrüchen in der Berichterstattung wurde ein Thema von besonderer Brisanz diskutiert: die mögliche Austragung der Olympischen Winterspiele 2046 in Österreich, die bereits jetzt starke Emotionen und Visionen für die Zukunft des Wintersports in Tirol auslöst.
In sieben Diskussionsrunden – darunter TV-Produktionen, Podcast-Aufnahmen und Streaming-Formate – beleuchtete das Gipfeltreffen in St. Anton am Arlberg die Zukunft des Sports aus unterschiedlichen Perspektiven.
Philip Wohlgemuth, 1. Landeshauptmannstellvertreter und Sportlandesrat von Tirol, hob in seiner Begrüßung die Bedeutung des Sportgipfels Tirol – St. Anton am Arlberg als Plattform des Austauschs hervor: „Es treffen hier Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um den Sport weiterzuentwickeln, und das freut mich persönlich, aber natürlich auch als Sportlandesrat von Tirol.“ Anschließend diskutierte er am Podium über die Winterspiele 1976 in Innsbruck und eine mögliche neue Austragung in Österreich im Jahr 2046.
Spitzensport, mentale Stärke und persönliche Geschichten
Einen besonderen Höhepunkt bot der Talk „Wie wird man Olympiasiegerin?“, in dem ZDF-Moderatorin Amelie Stiefvatter mit Skeleton-Olympiasiegerin Janine Flock und ihrem langjährigen Athletikcoach Franz Esterhammer über ihren Karriereweg, mentale Stärke sowie persönliche Rückschläge sprach. „Ich bin in den Leistungssport hineingerutscht. Eigentlich wollte ich Polizistin werden“, erzählte Flock. Dass sie schließlich im Eiskanal gelandet sei, bezeichnet sie heute als Glücksfall. Denn im Skeleton habe sie nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch ihr Team gefunden: „Das Vertrauen ist das Fundament, damit eine Zusammenarbeit funktioniert. Deshalb kommunizieren wir im Team immer offen – natürlich geht das auch ins Persönliche.“ Doch auch Druck gehört auf dem Weg zu Gold dazu: „Druck war für mich immer Antrieb. Ich habe daraus Energie gewonnen.“ Und auch wenn sich Flock ein Leben ohne Leistungssport vorstellen kann, bleibt eines für sie unverrückbar: „Sport als solcher ist für mich Lebenselixier.“
Ebenso bereicherten Eva Pinkelnig, Gesamtweltcupsiegerin im Skispringen 2022/23 und Sportlerin des Jahres 2023, Valentina Höll, vierfache Weltmeisterin im Downhill-Mountainbike, Kurt Matzler, Professor für Strategisches Management und Extremsportler, sowie Philipp Schörghofer, Doppelweltmeister im Ski Alpin, die Diskussionen rund um die künftigen Entwicklungen im Leistungssport. Eva Pinkelnig brachte dabei die mentale Komponente auf den Punkt: „Technik kann die körperliche Komponente messen, aber nicht die mentale Stärke, die jeder Wettkampf erfordert. Ich hatte Bewerbe, da war ich laut Berechnung zu spät dran – und doch habe ich gewonnen. Es gibt also ganz klar noch menschliche Komponenten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.“ Valentina Höll ergänzte: „Wenn man stark ist – körperlich oder mental – und einen einfach nichts aus der Ruhe bringen kann, dann ist man auch als Mensch eine Maschine.“
Von den Olympischen Spielen über neue Sportarten bis zur Zukunft der Sportberichterstattung
Die Idee einer Olympia-Bewerbung 2046 bewegt Österreich: Zwischen Begeisterung, Skepsis und dem Anspruch auf Nachhaltigkeit steht die Frage im Raum, ob und wie Spiele der Zukunft überhaupt noch realisierbar sind. Im Talk der Tiroler Tageszeitung, moderiert von Sportchef Florian Madl, beleuchteten Martin Schnitzer, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck, Brigitte Köck, Olympiamedaillengewinnerin im Parallel-Riesenslalom Snowboard (Nagano 1998), Philip Wohlgemuth, 1. LH-Stv. und Sportlandesrat, sowie Matthias Firgo, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule München, die Thematik. „Die Entscheidung für eine Olympia-Bewerbung braucht einen großen Vorlauf. Ich frage mich dabei: Geht es wirklich um die Olympischen Spiele oder um etwas anderes? Wenn wir uns die Spiele 1964 anschauen, sehen wir, dass diese bewusst dazu genutzt wurden, um Österreich – und auch eine Art Nationalstolz – neu zu formen“, betonte Schnitzer.
Neue Sportarten wie Ultimate Hockey oder Pickleball sowie Erfolgsevents wie Air & Style wurden als Symbole für Innovationsgeist und neue Zielgruppen diskutiert. „Man muss sich immer neu erfinden“, betonte Andrew Hourmont, Gründer von Air & Style, und ergänzte: „Anfangs war nur vorgesehen, einen Film über die Snowboardszene in Innsbruck zu drehen. Dann hatten wir vor, ein kleines Event zu machen – daraus wurde schließlich Air & Style am Bergisel.“
Der langjährige ZDF-Sportkommentator Béla Réthy sprach im Rahmen der Diskussionsrunde zur Zukunft der Sportberichterstattung über die Herausforderungen und Veränderungen im modernen Journalismus: „Wir Journalist:innen sind nun mal Multiplikatoren, werden aber immer mehr als Feindbilder gesehen.“ Durch die Bereitstellung von vorgefertigtem Material – etwa bei Großveranstaltern wie der FIFA – habe sich die Rolle des Sportjournalismus stark gewandelt. „Man bekommt Material oder Interviewpartner gestellt, aber damit wird man der eigenen Handlungsfähigkeit beraubt. Das Mitgestalten von Berichterstattung ist damit immer weniger gegeben. Auch die Kritikmöglichkeit fällt weg, was wirklich bedauerlich ist“, so Réthy.
Golf und Tourismus: Tirol im internationalen Fokus
Anlässlich der Austrian Alpine Open 2026 (AAO), die Ende Mai 2026 auf dem renommierten Golfplatz Kitzbühel-Schwarzsee-Reith ausgetragen werden und mit einem Preisgeld von 2,75 Millionen US-Dollar eines der Highlights der europäischen Golfsaison darstellen, diskutierten Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, Niki Wiesberger, Geschäftsführer Austrian Golfmarketing und Leiter Marketing ÖGV, Viktoria Veider-Walser, Geschäftsführerin von Kitzbühel Tourismus, Edwin Weindorfer, Veranstalter der AAO, und Golfprofi Maximilian Steinlechner (Zuschaltung) über die Bedeutung des Golfsports für Tourismus, Standortentwicklung und regionale Wertschöpfung.
Karin Seiler erklärte: „Im Spitzensport hat man automatisch zahlreiche Fans – wir werden für das Event aber starke Marketingmaßnahmen setzen, um neues Publikum zu erreichen. Wir möchten das Event auch nutzen, um die Schönheit und Vielfalt der Region zu zeigen.“ Niki Wiesberger ergänzte: „120.000 Golferinnen und Golfer in österreichischen Golfanlagen sind ein Beweis dafür, dass der Golfsport sehr wohl eine breite Wirkung entfaltet. Wir haben auch gute Spieler, die beweisen, dass man es aus der Alpenrepublik auf die internationale Bühne schaffen kann.“
Auszeichnung für sportjournalistische Exzellenz
Zum Abschluss wurde erstmals der Sportgipfel Award verliehen. Geehrt wurde Béla Réthy, der über Jahrzehnte das Sportpublikum im deutschsprachigen Raum geprägt hat. „Béla Réthy ist nicht nur seit Jahrzehnten eng mit der Region St. Anton am Arlberg verbunden, sondern steht auch als Synonym für Kompetenz und Leidenschaft in der Sportberichterstattung“, erklärte Martin Ebster, Direktor des Tourismusverbandes St. Anton am Arlberg. „Den Fokus auf die gestaltende Kraft des Sports zu legen, ist eine wichtige Zielsetzung des Sportgipfels“, betonte Ebster und ergänzte: „Diese Motivation und Verbundenheit, wie wir sie rund um die Weltmeisterschaft 2001 gespürt haben, ist auch entscheidend, wenn wir neuerlich eine Ski-WM austragen wollen.“
Tirol als Plattform für die Zukunft des Sports
Der Sportgipfel Tirol hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Dialogplattform etabliert, bei der Ideen, Innovationen und Werte des internationalen Sports im Fokus stehen. Er zeigt eindrucksvoll, dass Tirol nicht nur eine Sportregion, sondern ein Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Sports in Europa ist.