Gold-Erinnerung trifft Medaillenhoffnung
Innsbruck,
Wenn am Samstag im Cortina Sliding Centre der Viererbob in die Spur geht, richtet sich der rot-weiß-rote Blick vor allem auf Markus Treichl. Gemeinsam mit Sascha Stepan, Markus Sammer und Kristian Huber zählt der Tiroler zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. Am Samstag stehen die Läufe eins und zwei am Programm, die Entscheidung fällt am Sonntag mit Lauf drei und vier – ausgerechnet am 20. Februar, dem Jahrestag eines der größten Kapitel der österreichischen Bobgeschichte.
Denn genau an diesem Datum vor 34 Jahren raste Ingo Appelt mit Gerhard Haidacher, Harald Winkler und Thomas Schroll in Albertville (FRA) zu Olympiagold. Ein Triumph, der bis heute nachhallt. „Für uns persönlich war es ein sehr besonderer Erfolg, der nach wie vor präsent ist und jeden Tag irgendwo in uns lebt“, sagt Appelt beim Besuch im Austria House. Die damalige Crew ist noch immer eng verbunden, trifft sich regelmäßig – und ist nun gemeinsam in Cortina vor Ort.
Der 64-Jährige erinnert sich an zwei Tage voller Extreme: „Im ersten Lauf haben wir klar geführt. Im zweiten ist uns der Bob am Start umgefallen, wir sind nur die zehntbeste Zeit gefahren.“ Ein Auf und Ab, wie es der Viererbob eben schreibt. „Gott sei Dank haben wir am zweiten Tag zurückgeschlagen.“ Perfekte Läufe, ein eingespieltes Team, absolute Präzision – und am Ende Gold.
"Olympiagold lebt jeden Tag in uns"
Thomas Schroll, damals der Anschubmotor, bringt es auf den Punkt: „Jede Position muss zu 100 Prozent abgestimmt sein. Das ist beinhartes Arbeiten im Vorfeld – Athletik, Timing, schnelles Einsteigen.“ Kommunikation während der Fahrt? Fehlanzeige. „Vor dem Start musst du den Piloten in Ruhe lassen. Während der Fahrt gibt es keinen Austausch mehr.“ Vertrauen ersetzt Worte.
Dass nun wieder Medaillenhoffnung im österreichischen Bob herrscht, freut die Olympiasieger von 1992 besonders. Schroll hatte beim Kick-off im Oktober auf der Seegrube in Innsbruck im Vorfeld eine Medaille gefordert – und zumindest im Skeleton hat Janine Flock bereits geliefert. „Es ist ganz wichtig, dass jetzt einmal eine Medaille geschafft ist“, sagt er. „Das bringt Bob und Skeleton wieder ins Blickfeld. Ich hoffe, dass wir dadurch mehr Sponsoren und mehr Sichtbarkeit bekommen.“
Auch das Austria House spielt dabei eine Rolle. „Wir fühlen uns sehr wohl, tolle Atmosphäre“, sagt Appelt – mit einem Augenzwinkern: „So ein Haus hätten wir 1992 auch gerne gehabt.“ Damals gab es den großen Empfang in Salzburg, heute ist das Austria House die Bühne für Begegnungen, Erinnerungen – und neue Träume.
Und genau solche Träume wollen Treichl und seine Crew nun verwirklichen. Mit Jakob Mandlbauer, Daiyehan Nichols-Bardi, Sebastian Mitterer und Daniel Bertschler ist ein zweites österreichisches Team am Start – die Breite ist da, die Qualität ebenso.
Die Bahn in Cortina ist technisch anspruchsvoll, aber kein Material-Wettrüsten wie in der Formel 1. „Man hat geschaut, dass man den Sport finanzierbar hält“, sagt Appelt. Entscheidend bleiben Timing, Mut und ein perfekter Start.
Am Sonntag könnte sich der Kreis schließen – 34 Jahre nach Albertville. Die alten Helden fiebern mit, die „neue Generation“ steht am Start. Und vielleicht schreibt der Viererbob wieder ein rot-weiß-rotes Kapitel, das Jahrzehnte überdauert.