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Österreichischer Bob- und Skeletonverband

Eduard-Bodem-Gasse 6 / 3. OG
A-6020 Innsbruck

Olympia-Motto „Go for Gold“

Olympia-Motto „Go for Gold“

Innsbruck, 

15. Februar 2026

Es gibt diese Tage, an denen sich ein Kreis schließt. Für Österreichs Skeleton-Ass Janine Flock war dieser Sonntag in Cortina so ein Tag. Mit Startnummer eins eröffnete sie am Samstag das Rennen, und als Letzte kam sie am Sonntag im großen Finale unten an. Gestürzte Reihenfolge, maximale Dramaturgie. Dazwischen: olympische Geschichte.

Dreimal war die 36-Jährige in vier Läufen die Schnellste. Dreimal Bestzeit. Dazu die Höchstgeschwindigkeit im Cortina Sliding Centre. Wer Skeleton kennt, weiß: Das ist kein Zufall, das ist Dominanz.

Schon vor dem Start hatte sie sich eingestimmt. „Go for Gold“ von Andreas Gabalier lief in ihren Kopfhörern. Pathos? Vielleicht. Aber wer vier Läufe lang auf Messers Schneide fährt, darf sich den eigenen Soundtrack wählen. „Dieser Olympiasieg bedeutet mir sehr, sehr viel“, zeigte sich Flock emotional, noch immer mit diesem Leuchten in den Augen. „Es waren so viele Ereignisse, so viele Höhen und Tiefen, die mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich jetzt bin.“

Der lange Weg nach oben

Der Traum ist nicht in Cortina entstanden. Er ist gewachsen – über Jahre, über Rückschläge, über vierte Plätze. Schon im November, als sie die Bahn erstmals testete, hatte die Tirolerin ein Gefühl. „Ich habe gespürt: Das ist ein guter Platz hier.“ Und diesmal passte alles. Vier Läufe, viermal sauber erwischt. Die Schlüsselstellen im Mittelteil präzise getroffen. Losgelassen. „Ich konnte alles aufnehmen“, berichtete die frischgebackene Olympiasiegerin. „Es war pure Energie, wie ich sie noch nie gespürt habe.“

Wer die Szene von 2018 noch vor Augen hat, versteht, warum dieser vierte Lauf mehr war als nur ein Finallauf. In Pyeongchang 2018 war Flock als Führende in den letzten Durchgang gegangen – und hatte die Medaille letztendlich um zwei Hundertstelsekunden verpasst. Wieder als Letzte oben zu stehen, wieder die Jubelrufe der anderen zu hören – das weckt Erinnerungen. „Heute war es Wahnsinn“, sagte Flock. Und diesmal blieb sie bei sich und schrieb ihre eigene Geschichte zu Ende.

Liebe, Konstanz, Teamgeist

Wie bleibt man über ein Jahrzehnt an der Weltspitze? Flocks Antwort ist unspektakulär und beeindruckend zugleich: „Die Liebe zum Sport und zur täglichen Arbeit.“ Nach Pyeongchang stellte sie ihr Umfeld neu auf, holte einen Trainingspartner dazu, arbeitete noch präziser. Und sie blieb – egal unter welchen Umständen. Zwei Jahre mit Verletzungen. Ein Crash in St. Moritz, ein Start sogar mit Gehirnerschütterung. Zweifel? Sicher. Aufgeben? Nie.

„Es sind so viele Teile, die zusammenpassen müssen“, berichtete die 36-Jährige. „Wir haben ein großartiges Teamgefüge.“ Und genau dieses Gefüge ist auch für Trainer Michael Grünberger der Schlüssel.

„Wir haben unsere eigene Geschichte geschrieben“

„Ich bin mega, mega stolz. Eine richtig emotionale Geschichte“, sagte Skeleton-Nationaltrainer Michael Grünberger, die Stimme noch immer angespannt. Nicht nervös, sondern fokussiert – so beschrieb er sich selbst. Vier Läufe zu liefern, sei der Schlüssel gewesen. „Ein Rennen über vier Läufe gewinnt man nur mit Konstanz. Vor acht Jahren haben wir sie im vierten Lauf verloren. Das hat sich eingebrannt.

Grünberger war 2018 noch mittendrin, verließ danach den. Die Wege trennten sich und fanden 2024 mitten im Vorbereitungszyklus wieder zusammen. „Das Schicksal spielt seine eigene Rolle“, gab der 61-Jährige zu Protokoll. Und irgendwann war klar: Man will es noch einmal wissen. Die letzten zwei Jahre waren die Vorbereitung auf diesen Höhepunkt: Gesamtweltcup-Sieg, Europameistertitel, drei Rennsiege in dieser Saison. In 16 Rennen wurde an der Konstanz gefeilt.

Und vor Olympia? Keine Experimente. „Wir haben die letzten 24 Stunden wie jedes andere Rennen angelegt. Nur weil es Olympische Winterspiele sind, braucht man nichts Besonderes zu machen.“ Gewohnter Rhythmus. Analyse. Gespräche. Klarheit.

Die neue Bahn in Cortina? „Sehr fair“, hatte Grünberger schon beim Testevent gesagt. Und Flock hatte sofort ein gutes Gefühl. Ein Detail, das im Skeleton oft über Gold oder Blech entscheidet.

Ernten nach Jahren der Arbeit

Vielleicht ist dieses Gold auch eine Genugtuung. Nicht als Revanche, sondern als Vollendung. „Wir schreiben unsere eigene Geschichte“, hatten sie sich vorgenommen. Und Flock entschied, dass diese Geschichte genau hier enden sollte – mit Olympiagold.

Mit Nummer eins gestartet. Als Letzte ins Ziel gekommen. Dreimal Bestzeit. Höchstgeschwindigkeit. Und am Ende die Goldene in der Hand.

Manchmal passt einfach alles zusammen. Und dann klingt selbst ein Lied wie „Go for Gold“ nicht nach Klischee, sondern nach Vorahnung.