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Österreichischer Bob- und Skeletonverband

Eduard-Bodem-Gasse 6 / 3. OG
A-6020 Innsbruck

"Gut Ding braucht Weile"

"Gut Ding braucht Weile"

Innsbruck, 

15. Februar 2026

Schon im Zielraum von Cortina war klar, dass dieser Moment größer war als ein Olympiasieg. Als Janine Flock die Goldmedaille umgehängt bekam, brachen alle Dämme. Sie ließ die Emotionen zu, Tränen liefen über ihr Gesicht. Tränen der Erlösung, der Genugtuung, des Angekommenseins. Acht Jahre nach Pyeongchang, acht Jahre nach jenem vierten Lauf, in dem ihr Gold aus den Händen glitt, stand sie endlich ganz oben. „Gut Ding braucht Weile“, sagte sie. Kaum ein Satz bringt diesen langen, steinigen Weg eindringlicher auf den Punkt.

Und doch war dieser Abend noch lange nicht zu Ende erzählt. Was im Eiskanal begonnen hatte, setzte sich Stunden später im Austria Tirol House auf ebenso intensive Weise fort. Schon bei ihrer Ankunft wartete Schwester Lisa, die den Gold-Run von Flock im Cortina-Stüberl des Jägerhauses verfolge, mit ihrer kleinen Tochter auf sie. Ein familiärer Moment, der die Bilder von der Siegerehrung nahtlos weiterführte. Wieder Tränen, wieder dieses tiefe Durchatmen. Nicht mehr Athletin und Olympiasiegerin, sondern Schwester und Tante.

Dann der Gang durch den bereits legendären „Spielertunnel“ im Austria Tirol House. Dutzende Menschen standen Spalier, bildeten ein rot-weiß-rotes Fahnenmeer, jubelten, klatschten, riefen ihren Namen. Flock wurde auf den Schultern von Teamkollege Samuel Maier und Athletikcoach Franz Esterhammer  getragen und Österreich feierte seine erste Skeleton-Olympiasiegerin. „Besser könnte der sportlich schönste Tag meines Lebens nicht enden, als mit diesem Empfang. Danke, danke, danke an jeden Einzelnen", so Flock.

Natürlich mittendrin bei den Feierlichkeiten, Flocks engstes Umfeld. Ein Umfeld, das den sportlichen Erfolg erst möglich macht. Mutter, Bruder, Trainer, Freunde. "Mit meinen engsten Vertrauten diesen Moment zu teilen, bedeutet mir alles", erklärt Flock. Ähnlich wie die 36-Jährige musste auch Mutter Angela den Moment erstmal einordnen. Gar nicht so einfach.

"Ich kann nicht viel dazu sagen, mir fehlen die Worte. Das Gefühl jetzt kann man einfach nicht beschreiben. Sie hat es sich so verdient, ist nach vielen Tiefschlägen immer wieder aufgestanden. Ich bin so glücklich für sie, dass sie sich ihren Traum erfüllen konnte", sagte Mutter Angela auf der Bühne der Gala Hall.

Auf diese wurde Flock unter den Klängen von "Live is Life" gesungen, um dann von ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer, ÖOC-Generalsekretär Florian Gosch oder Tirol Werbung-Geschäftsführerin Karin Seiler beglückwünscht zu werden. Glückwünsche, auf besonders emotionale Weise, verteilte Trainer Michael Grünberger: "Das ist der mit Abstand beste Moment meiner Trainerkarriere. Es geht einem das Herz auf, wenn man sieht, wie Janine für diesen Moment gearbeitet hat und bei sich geblieben ist."

Dieser Olympiasieg ist freilich nicht nur ein Triumph einer Ausnahmeathletin, sondern das Ergebnis eines gewachsenen, eingeschworenen Teams. Auch jener Lehrer, der sie einst überhaupt erst zum Skeleton brachte, war an diesem besonderen Abend dabei. Mit feuchten Augen und den Worten: „Es freut mich, zumindest einen Bruchteil zu diesem Erfolg beigetragen zu haben. Das diese lange Reise, begonnen vor über 20 Jahren, nun mit Gold endet, ist unbeschreiblich", strahlt Reinhold Mayr.

Beim Feiern zog Flock dann selbst ein wenig die Handbremse - aus gutem Grunde. Am Sonntag greift sie im Mixed-Bewerb mit Samuel Maier nach einer weiteren Olympia-Medaille. "Morgen heißt es noch einmal: Vollgas und All-in. Und dann werden wir im Austria Tirol House so richtig Gas geben", verspricht Flock.