Skeleton-Team vom Goldjubel im Austria House beflügelt
Innsbruck,
Als Janine Flock, Samuel Maier und Florian Auer am Sonntagnachmittag das Austria House in Cortina betraten, hatte Sabine Payer kurz zuvor mit Silber im Snowboard-Parallelriesentorlauf die erste Medaille für das Olympic Team Austria bei diesen Olympischen Winterspielen geholt. Den zweiten großen olympischen Moment erlebte das Skeleton-Team live auf der Sonnenterrasse beim Public Viewing: Snowboard-Routinier Benjamin Karl hatte einmal mehr geliefert, jubelte mit nacktem Oberkörper in Hermann-Maier-Manier – und die internationalen wie auch rot-weiß-roten Fans vor dem Austria House jubelten mit.
„Die Erfolge von Benjamin Karl und Sabine Payer beflügeln das gesamte Team noch einmal unglaublich. Wenn man sieht, wie andere ihre Aufgaben meistern, entsteht eine besondere Energie. Diese Stimmung trägt einen mit und gibt Selbstvertrauen. Genau diesen Schwung, diese Gänsehaut-Momente, will ich in meine Bewerbe mitnehmen“, sagte Janine Flock später bei der live auf olympicteamaustria.tv gestreamten Pressekonferenz im ÖOC-Studio.
Zuvor hatte das Skeleton-Team gemeinsam mit ÖBSV-Präsident Gerhard Rainer, Skeleton-Nationaltrainer Michael Grünberger und Athletiktrainer Franz Esterhammer die Gastfreundschaft im Austria House genossen. Bei einer gemütlichen Kaiserschmarrn-Jause in der Stube Cortina setzten sich Bundeskanzler Christian Stocker und Ski-Austria-Präsidentin Roswitha Stadlober, die direkt von der Damen-Abfahrt auf der Tofana gekommen waren, dazu. Später gesellten sich auch Rodel-Olympiasieger David Gleirscher, ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer und ÖOC-Generalsekretär Florian Gosch hinzu. Olympische Eindrücke wurden ausgetauscht. Danach ging es für einen Blick „behind the scenes“ in die Olympia-Backstube powered by backaldrin – The Kornspitz Company, wo täglich frisches Brot, Gebäck, knuspriger Kornspitz und Apfelstrudel für die Gäste im Austria House hergestellt werden.
„Ich habe viel dazu gelernt!"
Im Anschluss sprach Janine Flock über ihren Weg auf der neuen Olympiabahn in Cortina und die Entwicklung seit dem Weltcup im November. „Ich habe ein paar Läufe gebraucht, um hier wirklich meine Linie zu finden. Anfangs habe ich nicht auf mein Gefühl gehört, dann aber bewusst umgestellt – ab dem Moment ist der Rhythmus gekommen und es hat richtig Spaß gemacht. Der Eiskanal verlangt Geduld und Präzision, man kann nichts erzwingen. Mir ist wichtig, mir diese Zeit zu geben und Schritt für Schritt Vertrauen aufzubauen. Ich habe in den letzten Jahren viel dazugelernt und habe in allen Lebensbereichen viel Qualität hineinbekommen – vom Aufstehen über Ernährung bis zu gesundem Schlaf. Ich bin schon fokussiert und freue mich auf diese Woche.“
Samuel Maier genießt seine zweiten Olympischen Winterspiele nach Peking. „Dass ich bei der Eröffnung das Schild für das Olympic Team Austria in Cortina tragen durfte, war eine totale Überraschung. Es war ein richtig lässiger Moment, vor allem, als wir gemeinsam durch den Ring durchgegangen sind. In diesem Augenblick realisiert man erst, was Olympia wirklich bedeutet. Diese Bilder und Emotionen nimmt man für immer mit.“
Trotz seiner Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren, in denen der 26-jährige Tiroler im Gesamtweltcup die Ränge vier und fünf belegte, sieht er sich selbst nicht als Medaillenkandidaten. „Es stimmt, ich habe im November im Weltcup hier auf dieser Bahn Platz zwei geholt, und die Vorfreude auf den Einzelbewerb ist groß. Aber die anderen Nationen haben zugelegt, daher würde ich mich selbst nicht zu den Medaillenkandidaten zählen.“
Im neu ins olympische Programm aufgenommenen Teambewerb mit Janine Flock könnte es dennoch klappen. Bei der Generalprobe im Weltcup belegte das Duo Rang drei. „Der neue olympische Teambewerb macht alles noch intensiver. Der Reaktionsstart ist extrem entscheidend, dort kann man viel gewinnen, aber auch verlieren. Danach geht es darum, ruhig zu bleiben und konstant zu fahren. Genau diese Mischung aus Explosivität und Kontrolle macht den Bewerb so spannend“, so Maier.
Olympische Winterspiele mit einem konkreten Plan
Apropos Teamarbeit: „Skeleton ist zwar ein Einzelsport, aber ohne ein starkes Team im Hintergrund funktioniert gar nichts“, ergänzt Flock. „Uns war es wichtig, schon im letzten August hier zu sein, Abläufe kennenzulernen und gemeinsam in diesen Ort hineinzuwachsen – das gibt Sicherheit und Ruhe. Wenn im Umfeld alles passt, kann man sich voll auf die eigene Aufgabe konzentrieren. Genau dieses Gefühl haben wir uns hier erarbeitet.“
Bei Florian Auer, der in Cortina im Alter von 31 Jahren sein Olympiadebüt feiert, schwang bei seinen Aussagen viel persönliche Geschichte mit. Die verpasste Olympia-Qualifikation 2022 aus gesundheitlichen Gründen habe ihn geprägt. „Diese Phase hat mich stärker gemacht“, sagt der Tiroler. „Ich habe lange Zeit neben dem Sport 40 Stunden im elterlichen Betrieb gearbeitet – das sind sicher nicht die idealen Voraussetzungen für den Spitzensport. Aber genau das hat mir gezeigt, dass es auch auf einem anderen Weg gehen kann. Diese Doppelbelastung war fordernd, hat mir aber auch Bodenhaftung gegeben. Umso mehr schätze ich es jetzt, hier stehen zu dürfen. Ich bin stolz auf das, was ich in den letzten Jahren geschafft habe.“
Umso intensiver erlebte er den Moment am Freitag, als er bei der Eröffnung der XXV. Olympischen Winterspiele im Ortszentrum von Cortina mit dem Olympic Team Austria einmarschierte – ein Augenblick, den er mit seiner Familiengeschichte verband. „Skeleton ist in meiner Familie tief verankert: mein Großvater, mein Vater und jetzt ich. Die Geschichte weiterzuführen und hier dabei zu sein, macht mich unglaublich stolz. 2002 war ich mit meinem Vater in Salt Lake City. Es war ein toller Moment. Dass ich nun selbst hier stehe und an einem olympischen Rennen teilnehmen kann, kann ich kaum in Worte fassen. Der Einmarsch bei der Eröffnung war der emotionalste Moment meiner bisherigen Karriere. Diese Bilder, die Menschen und die Stimmung werde ich nie vergessen.“