Wenn das Fundament trägt
Innsbruck,
Wenige Tage vor den Olympischen Winterspielen in Mailand Cortina 2026 führt der Blick im österreichischen Boblager noch einmal zurück an den Anfang dieses Winters – an den Saisonstart in Italien. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Denn dort, auf der neu errichteten Olympiabahn im Cortina Sliding Centre, wurde Wochen zuvor jenes Fundament gelegt, auf dem nun die Hoffnungen ruhen. Der Weltcup-Auftakt auf der Olympiabahn war keine Momentaufnahme, sondern eine ehrliche Standortbestimmung – mit Erkenntnissen, die bis heute nachwirken.
RÜCKSCHLAG: BEIERLS WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT
Katrin Beierl hat im Verlauf des Winters eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie nun auch im Monobob zur Weltspitze zählt. Drei Podestplätze, EM-Silber und fünf Top-6-Platzierungen in sieben Rennen unterstreichen ihre Konstanz. Kurz vor den Olympischen Winterspielen musste die 32-Jährige jedoch einen Rückschlag hinnehmen: Im Training zog sie sich einen Bruch des Mittelfußknochens zu.
Die Operation verlief erfolgreich, der betroffene Knochen wurde minimalinvasiv verschraubt. Dadurch war eine schmerzabhängige Belastung des Fußes gleich wieder möglich. Beierl selbst bleibt trotz der Verletzung fokussiert und zurückhaltend: „Im ersten Moment war es ein Schock, aber jetzt zählt nur noch der Blick nach vorne. Ich werde alles geben, um rechtzeitig fit zu werden – mein Olympia-Traum lebt definitiv weiter.“ Für Beierl wäre es der letzte große Höhepunkt ihrer Karriere: „Vier Jahre bis zu den nächsten Spielen sind eine lange Zeit – das geht sich nicht mehr aus. Wenn du weißt, das ist das letzte wirklich große Highlight, ist die Wertschätzung noch einmal eine andere und genau dafür werde ich bis zum Schluss kämpfen.“
STARTSTÄRKE ALS NEUES MARKENZEICHEN
Bei den Herren reifte ein weiteres Team zur olympischen Hoffnung: der Viererbob rund um Markus Treichl. Der Tiroler war in dieser Saison mehrfach knapp dran – EM-Bronze wurde hauchdünn verpasst, in Cortina fehlte eine Hundertstel auf das Podest. Doch entscheidender als einzelne Platzierungen war die Entwicklung dahinter. Vor allem am Start legte das Team massiv zu.
„Im Vierer sind wir richtig gut in Schuss“, untermauert Treichl, der auch im Zweierbob einen Spitzenplatz anpeilt, diese Entwicklung. „Besonders freut mich, wie brutal wir uns am Start gesteigert haben. Da hat sich in den letzten Wochen extrem viel getan.“ Auch das Vertrauen in die Bahn spielt eine Rolle: „In Cortina habe ich gemerkt, dass mir der Rhythmus liegt – gerade im Vierer bin ich super zurechtgekommen. Mit diesem Selbstvertrauen und dem Wissen, dass wir um die Medaillen kämpfen können, gehen wir in den Bewerb.“
Stampfer sprach schon damals von einem „starken Fundament“, das sich Team Treichl erarbeitet hat. Materialtests, unzählige Läufe, kleine Anpassungen – vieles greift inzwischen ineinander. Treichl zeigt sich selbstbewusst: „Wir haben ein Setup, mit dem man bei Olympia überraschen kann.“
DIE ZUKUNFT BEGINNT JETZT
Und dann ist da noch Jakob Mandlbauer. Olympiapremiere, Quotenplatz, viel Neugier – und ebenso viel Realismus. Der junge Pilot weiß, dass Medaillen noch außer Reichweite sind. Aber er weiß auch, wie wichtig diese Erfahrung ist. „Als es fix war, war das eine große Befreiung. Das Ziel, das man eigentlich sein ganzes Leben verfolgt, wirklich zu erreichen – das ist schon etwas Besonderes“, berichtet der Steirer. Gleichzeitig denkt er langfristig: „Für meinen Weg Richtung 2030 ist es wichtig, das jetzt schon einmal zu erleben.“
Neben dem 27-Jährigen hat auch Lea Haslwanter auf den letzten Drücker den Olympia-Quotenplätz erreicht. „Das ist ein Ziel, das man jahrelang verfolgt, und zu wissen, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat, ist etwas ganz Besonderes. Ich habe heuer gelernt, mir selbst den Druck zu nehmen und wieder mit Freude zu fahren – das war ein entscheidender Schritt.“
Was in Cortina begonnen hat, wurde über Wochen verfeinert: Starts, Linien, Materialentscheidungen, Abläufe im Team. Kleinigkeiten, die nach außen unscheinbar wirken. Olympia ist kein Ort für Experimente, sondern für Vertrauen in das Erarbeitete. Dieses Vertrauen nehmen Österreichs Bobfahrer:innen nun mit an den Start.