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Österreichischer Bob- und Skeletonverband

Eduard-Bodem-Gasse 6 / 3. OG
A-6020 Innsbruck

Wenn das Fundament trägt

Wenn das Fundament trägt

Innsbruck, 

03. Februar 2026

Wenige Tage vor den Olym­pischen Winterspielen in Mailand Cortina 2026 führt der Blick im österreichischen Boblager noch einmal zurück an den Anfang dieses Winters – an den Sai­sonstart in Italien. Nicht aus Nostal­gie, sondern aus Überzeugung. Denn dort, auf der neu errichteten Olympia­bahn im Cortina Sliding Centre, wur­de Wochen zuvor jenes Fundament gelegt, auf dem nun die Hoffnungen ruhen. Der Weltcup-Auftakt auf der Olympiabahn war keine Momentauf­nahme, sondern eine ehrliche Stand­ortbestimmung – mit Erkenntnissen, die bis heute nachwirken.

RÜCKSCHLAG: BEIERLS WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT

Katrin Beierl hat im Verlauf des Win­ters eindrucksvoll unter Beweis ge­stellt, dass sie nun auch im Monobob zur Weltspitze zählt. Drei Podestplät­ze, EM-Silber und fünf Top-6-Plat­zierungen in sieben Rennen unter­streichen ihre Konstanz. Kurz vor den Olympischen Winterspielen musste die 32-Jährige jedoch einen Rück­schlag hinnehmen: Im Training zog sie sich einen Bruch des Mittelfuß­knochens zu.

Die Operation verlief erfolgreich, der betroffene Knochen wurde minimal­invasiv verschraubt. Dadurch war eine schmerzabhängige Belastung des Fußes gleich wieder möglich. Beierl selbst bleibt trotz der Verletzung fo­kussiert und zurückhaltend: „Im ers­ten Moment war es ein Schock, aber jetzt zählt nur noch der Blick nach vorne. Ich werde alles geben, um rechtzeitig fit zu werden – mein Olympia-Traum lebt definitiv weiter.“ Für Beierl wäre es der letzte große Höhepunkt ihrer Karriere: „Vier Jah­re bis zu den nächsten Spielen sind eine lange Zeit – das geht sich nicht mehr aus. Wenn du weißt, das ist das letzte wirklich große Highlight, ist die Wertschätzung noch einmal eine an­dere und genau dafür werde ich bis zum Schluss kämpfen.“

STARTSTÄRKE ALS NEUES MARKENZEICHEN

Bei den Herren reifte ein weiteres Team zur olympischen Hoffnung: der Viererbob rund um Markus Treichl. Der Tiroler war in dieser Saison mehrfach knapp dran – EM-Bronze wurde hauchdünn verpasst, in Cortina fehlte eine Hundertstel auf das Podest. Doch entscheidender als einzelne Platzierungen war die Entwicklung dahinter. Vor allem am Start legte das Team massiv zu.

„Im Vierer sind wir richtig gut in Schuss“, untermauert Treichl, der auch im Zweierbob einen Spitzen­platz anpeilt, diese Entwicklung. „Be­sonders freut mich, wie brutal wir uns am Start gesteigert haben. Da hat sich in den letzten Wochen extrem viel ge­tan.“ Auch das Vertrauen in die Bahn spielt eine Rolle: „In Cortina habe ich gemerkt, dass mir der Rhythmus liegt – gerade im Vierer bin ich super zu­rechtgekommen. Mit diesem Selbst­vertrauen und dem Wissen, dass wir um die Medaillen kämpfen können, gehen wir in den Bewerb.“ 

Stampfer sprach schon damals von einem „starken Fundament“, das sich Team Treichl erarbeitet hat. Material­tests, unzählige Läufe, kleine Anpas­sungen – vieles greift inzwischen ineinander. Treichl zeigt sich selbst­bewusst: „Wir haben ein Setup, mit dem man bei Olympia überraschen kann.“ 

DIE ZUKUNFT BEGINNT JETZT 

Und dann ist da noch Jakob Mandlbauer. Olympiapremiere, Quoten­platz, viel Neugier – und ebenso viel Realismus. Der junge Pilot weiß, dass Medaillen noch außer Reichweite sind. Aber er weiß auch, wie wichtig diese Erfahrung ist. „Als es fix war, war das eine große Befreiung. Das Ziel, das man eigentlich sein ganzes Leben verfolgt, wirklich zu erreichen – das ist schon etwas Besonderes“, berichtet der Steirer. Gleichzeitig denkt er langfristig: „Für meinen Weg Richtung 2030 ist es wichtig, das jetzt schon einmal zu erleben.“ 

Neben dem 27-Jährigen hat auch Lea Haslwanter auf den letzten Drücker den Olympia-Quotenplätz erreicht. „Das ist ein Ziel, das man jahrelang verfolgt, und zu wissen, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat, ist etwas ganz Besonderes. Ich habe heuer ge­lernt, mir selbst den Druck zu nehmen und wieder mit Freude zu fahren – das war ein entscheidender Schritt.“ 

Was in Cortina begonnen hat, wurde über Wochen verfeinert: Starts, Li­nien, Materialentscheidungen, Abläu­fe im Team. Kleinigkeiten, die nach außen unscheinbar wirken. Olympia ist kein Ort für Experimente, sondern für Vertrauen in das Erarbeitete. Die­ses Vertrauen nehmen Österreichs Bobfahrer:innen nun mit an den Start.