Zum Hauptinhalt springen

Österreichischer Bob- und Skeletonverband

Eduard-Bodem-Gasse 6 / 3. OG
A-6020 Innsbruck

Ein schneller Weg in eine neue Welt

Ein schneller Weg in eine neue Welt

Innsbruck, 

20. Januar 2026

Victoria Festin kann den Moment selbst Tage später noch nicht ganz greifen. „Ich habe es nicht glauben können. Ich bin sofort in Tränen ausgebrochen“, sagt die 24-Jährige. Die Anschieberin wurde vom Österreichischen Bob- und Skeletonverband für die Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026 vorgeschlagen. Die finale Entscheidung fällt erst später traditionell durch das Österreichische Olympische Comité, doch allein die Aussicht auf Olympia fühlt sich für Festin schon jetzt „unfassbar“ an.

Vom Zufallstreffen zum olympischen Projekt

Dass Victoria Festin heute von Olympischen Winterspielen spricht, ist alles andere als selbstverständlich. Ihr sportlicher Weg begann spät – und eher beiläufig. Ursprünglich kommt sie aus der Leichtathletik, stieg dort aber erst im Herbst 2023 intensiver ein. Ein Jahr später, beim Training am Innsbrucker Tivoli, kam es zur entscheidenden Begegnung. Festin traf Linda Braun, kam ins Gespräch und wurde neugierig. „Ich kannte niemanden, der Bob fährt, und hatte davor kaum Berührungspunkte mit dem Sport. Aber ich habe mir gedacht: Warum eigentlich nicht?“

Im Jänner 2025 saß sie erstmals bei Lea Haslwanter im Zweierbob. Was folgte, war eine Entwicklung im Zeitraffer. „Es war immer ein Kindheitstraum von mir, in einem Sport richtig gut zu sein und etwas zu erreichen. Jetzt hat mir das einfach gezeigt, dass es nie zu spät ist, etwas Neues anzufangen.“

Während viele Athletinnen jahrelang auf eine olympische Chance hinarbeiten, wurde für Festin innerhalb weniger Monate aus einer Idee ein realistisches Szenario. „Wenn mir das vor einem Jahr jemand gesagt hätte, hätte ich sicher gelacht“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Trainer Robert Eckschlager arbeitete sie hart, ohne den Olympia-Gedanken zu sehr an sich heranzulassen. „Es ist wie ein Seiltanz. Man will sich freuen, darf sich aber nicht zu sehr reinsteigern.“

Drei Rennen, ein steiler Lernprozess

Sportlich ist Festins Bilanz speziell – und genau das macht ihre Geschichte so besonders. Drei Rennen absolvierte sie bislang als Anschieberin mit Haslwanter: im Weltcup in Cortina d‘Ampezzo und im Europacup Altenberg, dazu ein EC-Start in Innsbruck. Ein geplanter Einsatz bei der Junioren-EM in Winterberg platzte kurzfristig wegen einer Erkrankung – ein Rückschlag, der schmerzte. „Ich habe mich extrem darauf gefreut.“

Noch brenzliger wurde es diese Woche in Innsbruck-Igls : Beim Aufwärmen zum EC-Training spürte sie einen Stich im Hamstring. „Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich habe mir nur gedacht: Bitte nicht jetzt.“ Doch es stellte sich keine Muskelverletzung heraus. Festin ging „all in“ – und es zahlte sich aus.

Als klar wurde, dass Haslwanter den Quotenplatz für den Zweierbob fixiert hatte, überwog bei Festin vor allem eines: Freude für ihre Pilotin. „Ich sehe, wie hart Lea arbeitet und wie viel ihr das bedeutet.“ Dass sie selbst Teil dieses Projekts ist, fühlt sich noch immer unwirklich an. „Ganz fassen kann ich es ehrlich gesagt noch nicht.“

Die 24-Jährige beschreibt sich selbst als ehrgeizig, aber immer mit Freude an der Sache. Ungeduldig, manchmal kompromisslos – „oft all in“, wie sie sagt – und vor allem: fröhlich. Die Olympischen Winterspiele 2026 könnten für viele das große Ziel sein, für sie sind sie vielleicht erst der Anfang. „Natürlich hoffe ich, dass ich 2030 wieder mit Lea an den Start gehen kann“, sagt sie. Vorerst aber wartet sie auf die finale Nominierung – mit Dankbarkeit, Demut und der Erkenntnis, dass im Sport manchmal alles ganz schnell gehen kann.